Kino im Kopf – Hörspiele selber machen

Besonders mit Kindern macht die Produktion eines Hörspiels viel Spaß

Hörspiele selber machen - Bettina McDowell
Hörspiele selber machen - Bettina McDowell
Für Eltern, die sich immer wieder fragen, was sie zusammen mit ihren Kindern besonderes machen können, kann die Produktion eines Hörspiels eine Antwort sein.

Kinder mögen es, wenn man ihnen vorliest oder eine Geschichte erzählt. Ebenso lieben sie Kassetten und CDs mit Geschichten von Bibi Blocksberg und Michel aus Lönneberga. Zuhören ist ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Wenn sie nach einem anstrengenden Tag einfach nur lauschen dürfen, sind sie entspannt und fühlen sich wohl. Selbst einmal ein Hörspiel zu produzieren, würde ihnen sicherlich Spaß bereiten.

Kinder lieben Fantasiegeschichten und moderne Märchen

Kinder mögen vor allem Fantasiegeschichten, in denen Kinder hexen und Elefanten sprechen können. Sie lieben Spannung und möchten Rätsel lösen wie ein Detektiv. Damit die Produktion des Hörspiels allen Spaß macht, ist es wichtig, dass den Kindern die Geschichte, die sie aufführen werden, gefällt. Dabei gibt es die Möglichkeit, sich etwas ganz Neues auszudenken oder eine Geschichte um eine bereits vorhandene Figur wie Benjamin Blümchen zu entwickeln.

Das Hörspiel braucht Akteure

Da auch die Freunde der eigenen Kinder Freude an einem solchen Projekt haben könnten, hat es Sinn, auch sie einzubinden. Die Wahrscheinlichkeit, dass für die Geschichte nicht genug eigene Kinder vorhanden sind, ist zudem relativ groß. Dabei sollte ein Kind die Position des Geräuschemachers übernehmen.

Sind Kinder in diesem Projekt, die noch zu klein sind, um ihre Rollen abzulesen oder auswendig zu lernen, gibt es eine einfache Lösung. Sie sagen einen sich ständig wiederholenden Satz und bekommen den Hinweis für ihren Einsatz durch ein Kopfnicken vom Regisseur.

Auf der Suche nach Geräuschen

Zwei Kokosnusshälften im richtigen Rhythmus zusammengeschlagen kündigen einen Reiter an. Der Schuss aus der Pistole ist ein Lineal, mit dem man auf die Tischkante schlägt. Und für die kleinen Wellen plätschert der Geräuschmeister in einem Eimer mit Wasser. Sobald Kindern bewusst ist, dass es um sie herum viele Dinge gibt, die die unterschiedlichsten Geräusche machen, gehen sie auf die Suche. Um die Geräusche herum, die die Kinder finden, kann man die Geschichte bauen, denn Kinder sind sehr stolz, wenn ihre Ideen zum Einsatz kommen.

Musik zur Untermalung und akzentuierte Stimmen zur Unterscheidung

Musik hat eine wichtige Bedeutung, denn sie weist das Publikum auf Gefahr hin oder löst die Spannung. In Sergei Prokofjews musikalischem Märchen ‚Peter und der Wolf’ etwa ist jedem Akteur ein bestimmtes Instrument und eine dazugehörige Melodie zur Wiedererkennung zugeordnet.

Für eine Hörspielproduktion reichen ein oder zwei Melodien, die in das Stück eingebaut werden. Hierfür kann man Melodien, die auf CD zur Verfügung stehen, auswählen. Wenn eines der Kinder bereits ein Instrument spielt, kann es für die musikalische Untermalung sorgen.

Da das Publikum bei einem Hörspiel naturgemäß nichts sieht und die Stimmen der Kinder unter Umständen ähnlich sind, sollte darauf geachtet werden, dass die Zuhörer die Protagonisten auf andere Art und Weise unterscheiden können. Dies kann mit verstellten Stimmen, häufiger Namensnennung im Skript, Dialekten oder Sprachfehlern geschehen. Ein Stottern kann zusätzlich als Spannungseffekt eingesetzt werden.

Das Drehbuch – eine Geschichte entlang von Geräuschen

Die Kinder haben entschieden, wie die Geschichte beginnen, verlaufen und enden soll. Nun muss ein Drehbuch her. Der Einfachheit halber sollte das eine kleine Gruppe schreiben. Im besten Fall sind die Ideen aus den Vorgesprächen notiert und die Rollen verteilt, so dass es später nicht zum Streit kommt. Im Zweifelsfall sollte allen klar sein, dass der Regisseur, wer immer das auch ist, Diskussionen ein Ende setzen kann.

Sobald das Drehbuch fertig ist, kann es ans Proben gehen. Zunächst ist der Text wichtig. Die Kinder lesen ihn mit verteilten Rollen und achten dabei auch auf ihre Stichwörter. Wenn die Geschichte nicht zu lang ist, könnten die Kinder ihre Sätze auswendig lernen, was später beim Sprechen während der Aufnahme zu mehr Lebendigkeit führen würde.

Bei der Aufnahme ist höchste Konzentration gefordert

Parallel zu den Lese- und Geräuschproben, haben die Kinder bereits mit dem Mikrophon geübt. Wenn der Tag der Aufnahme kommt, müssen sie wissen, wie viel Abstand sie halten und wie laut sie sprechen müssen. Es ist wichtig, den Kindern zu erklären, dass alle gleich laut sprechen sollten und es muss geprobt werden, wie ein Kind ins Mikrophon flüstern oder rufen muss, damit der erwünschte Effekt erzielt wird.

Wenn der große Tag da ist, sind alle etwas nervös, denn jetzt wird man sehen, ob das Ensemble gut geprobt haben. Darüber hinaus ist natürlich auch wichtig, dass alle konzentriert sind und einmal tief durchgeatmet haben.

Die Sprecher stehen in einem Kreis um das Mikrophon herum, alle mit demselben Abstand von etwa einem halben Meter. Während der Aufnahme nehmen die Sprecher das Mikrophon nicht in die Hand, denn so entstehen Unruhe und Nebengeräusche. Alle Geräuschmittel liegen in der Reihenfolge, in der sich gebraucht werden, bereit. Ein Gong kann die Szenenwechsel ankündigen.

Das Hörspiel geht auf Sendung

Doch was wäre ein solches Projekt, wenn es keine Aufführungen gäbe? Zur Premiere kommen alle Eltern, die Großeltern und großen Geschwister. Bei Kaffee und Kuchen hören alle gespannt zu und klatschen anschließend Beifall.

Bettina McDowell, Scholz Photo-Atelier Hamburg

Bettina McDowell - Bettina McDowell: Studium der Anglistik und Germanistik, freie Journalistin und PR-Beraterin. Bettina McDowell lebt in Hamburg und ist ...

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